2. Juli 2024

Juliane Diesner

Anti-Aging Wunderwaffen? Biostimulatoren! 

Der Trend in der ästhetischen Medizin kristallisiert sich schon seit Längerem heraus: Content Creatorin Juliane Diesner (@styleshiver) hat die Alternativen zu Fillern getestet

@ Adobe Stock

Microneedling kann das Hautbild deutlich verbessern

Noch nie war der Wunsch nach Natürlichkeit und einer Methode, dabei den sichtbaren Alterungsprozess trotzdem ein wenig hinauszuzögern, so groß wie jetzt. Die sogenannten „Pillow-Faces“ — eben jene Gesichter, die oft sogar in jungen Jahren viel zu stark mit Fillern behandelt wurden — waren in letzter Zeit als Negativbeispiel allgegenwärtig. Wir haben Bilder von Celebrities in ihren Zwanzigern vor Augen, die aussehen wie Anfang Vierzig.

 

Das Paradoxe bei Fillern ist, dass sie bei unsachgemäßer Anwendung nicht zu einem jüngeren oder frischeren Erscheinungsbild führen, sondern die behandelte Person deutlich älter wirken kann. Man erreicht also das Gegenteil, von dem, was man sich als Patient:in eigentlich erhofft hatte. Manche behaupten sogar, dass Filler das neue „Tanning-Bed“ unserer Zeit seien.

 

Ein Synonym für etwas, das oftmals exzessiv genutzt wurde, ohne sich große Gedanken darüber zu machen, obwohl es falsch dosiert mehr Schaden anrichtet, als den gewünschten Effekt zu erzielen. Auch wenn das hier in keinster Weise Filler-Bashing sein soll — bei dem richtigen Anwendungsfall und mit dem richtigen Injektor lassen sich nach wie vor tolle Ergebnisse erzielen — möchte ich dennoch die mittlerweile wirklich tollen Alternativen zu Fillern vorstellen.

 

Denn zugegebenermaßen wird, gerade durch die Einflüsse von TikTok und K-Beauty, mittlerweile so viel angeboten, dass es schwer fallen kann, den Überblick zu behalten. Im Folgenden spreche ich über meine persönlichen Lieblingsbehandlungen und den neuesten Stand der Forschung.

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Doch zunächst einmal eine Erklärung, was genau mit Biostimulatoren gemeint ist. Biostimulatoren sind innovative Behandlungsmittel in der ästhetischen Medizin, die darauf abzielen, die natürlichen Regenerationsprozesse der Haut anzuregen. Durch das Einbringen in die Haut wird zudem die Kollagensynthese angeregt. Neues Kollagen und Elastin bilden sich, was wiederum zu einem jugendlicheren und strafferen Erscheinungsbild führt, ganz ohne unangenehme Nebenwirkungen.

 

Klassisches Micro-Needling ist in diesem Zusammenhang vielleicht ein Basic-Treatment, sollte aber meiner Meinung nach trotzdem nicht unterschätzt werden. Es ist sicher, verursacht kaum Ausfallzeit und schenkt direkt einen tollen Glow, weshalb es zu meinen liebsten Anwendungen zählt, die man der Haut zwischendurch immer mal wieder gönnen kann.

 

Beim Radiofrequenz-Needling wird durch zusätzliche Radiofrequenz Wärme in die Haut abgegeben, wodurch ein strafferes Hautbild versprochen wird. Beim RF-Needling scheiden sich jedoch die Geister. Die einen sprechen von der Behandlung, als würde es in der nicht-invasiven ästhetischen Medizin kaum eine bessere geben, wiederum andere, darunter auch Ärzte, bleiben skeptisch.

 

Im Raum steht die Annahme, dass bei falscher Anwendung die eigenen Fett-Depots im Gesicht durch die Kombination aus Needling und Radiofrequenz schmelzen können, was es natürlich tunlichst zu verhindern gilt. Ich habe RF-Needling bereits einmal ausprobiert und kann dies aus meiner eigenen Erfahrung heraus nicht bestätigen.

 

Gerade in Kombination mit der sogenannten PRP-Therapie (PRP steht für platelet rich plasma) kann RF-Needling wirklich hervorragende Ergebnisse erzielen. Es ist in jedem Fall dennoch wichtig, auch hier den richtigen Behandler oder die richtige Behandlerin auszuwählen, der oder die mit den Einstellungen des Geräts vertraut ist und mit diesem auch schon länger arbeitet.

Einer der neuesten und vielversprechendsten Trends und großes Thema des diesjährigen IMCAS Paris, einem der weltweit wichtigsten Kongresse im Bereich der ästhetischen Medizin und Dermatologie, sind Exosome.

 

Exosome sind winzig kleine Partikel, die für die Kommunikation zwischen den Zellen zuständig sind. Es wird unterschieden zwischen den im Labor synthetisch hergestellten Exosomen und denen, die ähnlich wie PRP aus Eigenblut gewonnen werden. Synthetische Exosome sind in Europa bislang noch nicht zugelassen, weshalb ich sie an dieser Stelle ein wenig ausklammern möchte, auch wenn sie ein unfassbar spannendes Thema sind und sich in den nächsten ein bis zwei Jahren sicher zu einem der wichtigsten Topics im Bereich der Ästhetik entwickeln könnten.

 

Dr. med. Timm Golüke, der in seiner Münchner Praxis als einer der ersten in Deutschland die Behandlung mit körpereigenen Exosomen anbietet, erklärte mir, dass das Verfahren zur Gewinnung der Exosome zunächst aufwendiger sei, als bei der klassischen PRP-Therapie, da das Plasma nicht nur einmal, sondern zweimal zentrifugiert wird.

 

So werden die Regenerationsprozesse der Haut stärker angeregt, zudem wirkt es antientzündlich. Außerdem werden die Fibroplasten stimuliert, um neues Kollagen und Elastin zu bilden. Ich persönlich bin großer Fan davon, mit körpereigenen Optionen zu arbeiten, bevor man Fremdmaterial verwendet.

 

Die Behandlung mit Exosomen ist nichtinvasiv und ohne eine große Ausfallzeit. Ich würde sagen, da steht in nächster Zeit definitiv mal wieder ein München-Trip bei mir auf dem Plan, um Dr. Golüke einen Besuch in seiner Praxis abzustatten.

 

Dr. med. Eveline Urselmann in Hamburg bietet die Behandlung mit Exokine an. Hier wird das eigene Plasma für ganze sechs Stunden zentrifugiert, wodurch es eine höhere Konzentration an Wachstumsfaktoren und regenerativen Faktoren aufweist. Das hochgereinigte Serum, welches zurück in die Haut injiziert wird, ist durch die spezielle Reinigung frei von weißen Blutkörperchen und sonstigen Störfaktoren und hat damit eine etwas stärkere Wirkung im Bereich des Anti-Aging.

 

Der neueste Trend aus Südkorea: Polynukleotide. Dort lassen sich bereits viele junge Frauen den Skinbooster in kleinen Mini-Dosierungen in die Haut injizieren. Dabei handelt es sich um Nukleotide aus der Lachs-DNA. Klingt erst mal sehr fancy und das ist es auch.

 

Die natürlich gewonnenen DNA/RNA-Bruchstücke regen die Haut dazu an, sich zu erneuern und steigern die Lebensfähigkeit der Fibroplasten, welche wiederum neues, frisches Kollagen und Elastin produzieren. Besonders unter den Augen sollen Polynukleotide dem klassischen Hyaluronsäure-Filler bald den Rang ablaufen, da sie keine Komplikationen oder unerwünschte Nebeneffekte mit sich bringen sollen.

 

Es ist faszinierend, was sich in diesem Bereich in den letzten Jahren alles getan hat und ich bin sehr gespannt, wo die Reise noch hingeht. Das Umdenken, die Haut und körpereigene Regenerationsprozesse zu fördern, anstatt wild und gedankenlos Hyaluron zu injizieren, finde ich richtig und gut und es entspricht auch mehr meinen eigenen Vorstellungen.

 

Ich hab mich bisher noch nicht einmal an Botox herangetraut und setze lieber auf die vielen alternativen Methoden, die körpereigene Prozesse anregen, anstatt mit Injektionen in Form von Botox oder Hyaluronsäure Gesichtspartien stillzulegen oder aufzupolstern. Denn all diese alternativen Methoden sind darauf ausgerichtet, einer der Hauptursachen der Hautalterung, dem Kollagenverlust, vorzubeugen und was wollen wir am Ende mehr!

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